Großglockner
(3798 m)
23.-27.3.1967
Aus meinem Tourenbuch
Do.,23.3.:
Mit
Heinz P. und Peter M. auf extreme Osterfahrt. Wir planten die Glocknerumfahrung
schon Wochen voraus, sammelten Ausrüstung und Auskünfte.
Am Donnnerstag am Abend Abfahrt über Lienz nach
Kals. Quartiersuche im Neuschnee. Wir schliefen in einem Heuboden am Ortsrand.
Fr.,24.3.:
Tief
bewölkt und leichter Schneefall. 8 Uhr Aufstieg, da der Barometer gestiegen
war. Bis Lucknerhaus trugen wir die Schier und unser 20-25 kg schweres Gepäck.
Nun Felle an die Schi und im Schneesturm und Nebel weiter auf die Lucknerhütte,
in der wir 4 Stunden bis 15.00 Uhr im Kuhstall ein besseres Wetter abwarteten.
Wir entzündeten ein Lagerfeuer und machten es uns recht gemütlich. Der Sturm
ließ endlich etwas nach, weiter oben tiefblauer Himmel. Also auf!
Über Lawinenhänge - natürlich bereits abgegangen - in den Viehboden. Vorher
stieg ich fast in eine Randkluft. Vom Viehboden einzeln etwas östlich zum
Ködnitzkees. Elendiglich mühselig und langsam schlichen wir entlang der Blauen
Köpfe aufwärts. Es wurde immer später und immer kälter und wir wurden immer
müder. Ich ging vor, um bei Tageslicht noch die Felsen des Mürztaler Weges
zu erreichen, bog aber gegen 19.30 westlich ab zum Linsengrat, um die Stüdlhütte
zu erreichen. Der Vollmond spiegelte sich im blanken Eis des Ködnitzkees.
Eisige Kälte und beim Linsengrat Schneesturm und dichter Nebel. Mit den Fellen
hinunter, zwischen Felsen und Gletscher und Hangschrägfahrt zum Sattel, auf
dem die Stüdlhütte steht. Gott sei Dank!
Winterraum ausschaufeln, dann vergebliches Bemühen ein rauchfreies Feuer zusammenzubringen
und dann wohlverdienter Schlaf.
Herrlichstes Wetter, wolkenloser Himmel!!
Über den Ausläufer des Teischnitzkees durch die
Schere am Linsengrat zum Ködnitzkees und zum Einstieg des Mürztalerweges.
Schi in den Rucksack und mühselige Kletterei auf den Grat hinauf, der direkt
zur Adlersruhe führt (3454 m), Ankunft 15.00 Uhr.
Ohne Gepäck – welch eine Lust – übers Glocknerleitl
(eishart gefroren) zum Grat des Kleinglockners.
Peter und ich „graben“ uns einen Weg durch den brusttiefen Schnee. Am Kleinglockner photographierten wir
uns mitten auf einer Wächte. Schwieriger Abstieg
zur Glocknerscharte, wegen der vielen Wächten, die ich erst abschlagen musste.
Endlich um 17.30 stehen wir bei wolkenlosem Himmel am Gipfel (3798 m) mit prachtvollen Rundblick!!!
Dann der Abstieg, der uns leicht vorkam. Ausrasten im Winterraum der Adlersruhe. Ab Abend kulinarische Genüsse, die wir mühselig
heraufschleppten. Hm! Gulasch, Ananaskompott, Kuchen usw. usw.
Wir ließen es uns gut gehen. Die Flugzeuge kreisten um den Glockner, eine Saab zischte über die Pasterze über den Glockner Kamm. Peter bestimmte die ungezählten Gipfel in der Runde. Welch eine Fernsicht!
Am Nachmittag
packten wir, stiegen den Mürztalerweg hinunter und ließen unsere Bretter den
Ködnitzkees hinaus schießen!!
In der Stüdlhütte brannte endlich der Ofen. Die Nacht wurde auch sehr gemütlich.
Ostermontag,
27.3.:
15
cm Pulver, dichter Nebel. Herrliche Abfahrt, gegenüber gestern im pappigen
Schnee, zum Viehboden, dann sehr langsames Vorwärtstasten durch den dicken
Nebel, alles war weiß!! Peter visierte mich mit der Bussole alle 50 m ein
und auf den Meter genau erreichten wir die Lucknerhütte.
Mit Lawinenschnur umgebunden die Materiallifttrasse steil hinunter und den
ebenen Talschluß hinaus zum Lucknerhaus. Auch das wäre überstanden. Über Steine
und Schlamm hinaus nach Kals. Wie schauten wir aus!? Abfahrt!
In Lienz erwärmte uns schon wieder die Sonne. Mit Stolz in der Brust, waren
wir doch in diesem Winter die ersten am Glockner, fuhren wir heimwärts. In
Klagenfurt machten wir noch ein Picknick im Grünen und im Regen! Aber dann
gings durch bis Graz.
Im Brauhaus Puntigam feierten wir noch unseren Sieg.